in

Eva Gold: Sprecherin für Marken, Sängerin bei Misuk und Künstlerin mit eigenem Kopf

Ihre Stimme ist in Werbung und Film zu hören, mit Misuk vertont sie Bertolt Brecht, in ihrer Werkstatt arbeitet sie an eigener Kunst. Eva Gold hat aus unterschiedlichen Begabungen eine freiberufliche Existenz aufgebaut. Was diese Tätigkeiten verbindet, ist ihr Gespür für Ausdruck – und die Freude am Ausprobieren. Ein Porträt zu »MENSCH MONTAG« #101.

Als Eva Gold ihr erstes Soloalbum aufnimmt, beginnt sie mit dem, was sie zur Hand hat: einem alten Notebook und dessen kleinem Mikrofon. Texte und Musik hat sie über Jahre geschrieben. 2018 wird daraus »Hallo Welt«, ein Album mit eigenen Geschichten.
Die Szene, von der die Augsburger Allgemeine damals berichtet, passt zu einer Frau, deren beruflicher Weg viele Formen angenommen hat. Gold singt, spricht, moderiert, malt und entwickelt Konzepte. Ihre Ausbildung macht sie in einem Handwerk, das Material, Genauigkeit und räumliche Vorstellungskraft verlangt: Sie wird Stuckateurin.

Später führt ihre Arbeit ins Tonstudio, auf die Bühne und in die Galerie. Die Werkstatt bleibt ein passender Ort für ihre Begegnung mit Dimitri Reimer. Hier trifft er sie für »MENSCH MONTAG« und erlebt eine heitere, gelassene Frau, die charmant und unaufgeregt bei sich ist.

- Gesponsert -

Eine Stimme als Beruf

Gold wächst in Mering auf und arbeitet seit ihren frühen Zwanzigern freiberuflich. Als Sprecherin ist sie für Radio, Film und Werbung tätig. Die Porträtnotizen nennen unter anderem die Bahn, Lidl und Volvo als Auftraggeber.

Auf ihrer Website lässt sich die Spannweite dieser Arbeit nachvollziehen: Hörbeispiele für Radio und Werbung stehen neben einem Imagefilm für die Fachklinik Josefinum, einem Spot für den Reiseanbieter Kuoni und musikalischen Projekten. Ihr Profil auf der Sprecherplattform bodalgo nennt außerdem Erklärfilme, Dokumentationen, Hörbücher und Charakterstimmen als Einsatzbereiche.

Für Auftraggeber besteht die Aufgabe darin, einem Text den passenden Ton zu geben. Ein Imagefilm verlangt eine andere Ansprache als eine Figur oder ein Radiospot. Gold beschreibt auf ihrer Website, wie gern sie sich in Charaktere und Stimmungen hineinarbeitet. Stimme ist für sie ein Ausdrucksmittel, das Nähe, Humor oder Ernst vermitteln kann.

Ihre freiberufliche Arbeit bewegt sich damit zwischen den Anforderungen eines Auftrags und dem eigenen künstlerischen Gestaltungswillen. Beide Seiten brauchen ein Gespür dafür, was ein Text transportieren soll und wie er sein Publikum erreicht.

Brecht bekommt einen Bandsound

Mit Girisha Fernando arbeitet Gold seit vielen Jahren zusammen. Für das Brechtfestival 2009 entsteht Misuk: zunächst ein Projekt, das Brechts Lieder in einen zeitgenössischen musikalischen Zusammenhang stellt.

Daraus entwickelt sich eine Band. Brechts Texte treffen auf Jazz, Pop und Elektronik, auf Golds Gesang und Fernandos Arbeit an Bass und Gitarre. 2012 erscheint das erste Album. Die Zusammenarbeit gibt den Texten einen musikalischen Rahmen, in dem ihre Sprache neu hörbar wird.

Auch bei der Theaterproduktion »Peer Gynt« arbeiten Gold und Fernando gemeinsam. Ihre Musik ergänzt 2017 am Theater Augsburg die Inszenierung von Henrik Ibsens dramatischem Gedicht. Gold erzählt später, welche körperliche Kraft sie im klassischen Gesang entdeckt hat.

2018 erhält sie den Augsburger Popkulturpreis ROY als Künstlerin des Jahres. Im selben Jahr erscheint ihr Soloalbum »Hallo Welt«. Nach vielen musikalischen Kooperationen stehen hier die Texte und Kompositionen im Mittelpunkt, die sie selbst über einen langen Zeitraum gesammelt hat.

Die Freude am Machen

Dass ihre Ausbildung zur Stuckateurin in diesem Leben weiterhin Bedeutung hat, zeigt ein älteres Interview. Gold spricht darin über die Freude an der Arbeit am Altbau und darüber, wie gut ihr das Handwerk tut.

Es ist ein konkreter Hinweis auf etwas, das auch in den neueren Porträtnotizen sichtbar wird: Sie interessiert sich für Materialien und Formen ebenso wie für Stimme und Klang. Ihre bildnerische Arbeit bewegt sich zwischen Handwerk und Konzeptkunst.

2023 eröffnet sie in der Salzburger Altstadt die Galerie KuKo, einen Raum für Kunst und Konzeptionen. Dort zeigt sie eigene Werke und erprobt eine weitere Form der Selbstständigkeit. Im Januar 2024 berichten Medien über ihre Ausstellung »Happy Heads« und die Arbeit in der Galerie.

Laut den späteren Notizen zu »MENSCH MONTAG« muss sie den Raum wegen einer Gebäudesanierung und des Umbaus zum Hotel wieder schließen. Das genaue Jahr bleibt anhand der widersprüchlichen Angaben offen. Die Galerie gehört dennoch zu den Stationen, an denen Gold ihren Ideen eine konkrete Form und einen öffentlichen Ort gibt.

Liebe, Humor und ein Michelin-Männchen

2021 veröffentlicht Gold den Song »Love« im Rahmen ihrer Aktion »#morelove – The Love Revolution«. Ihr Anliegen ist ein liebevollerer Umgang miteinander. Das Video findet sich auch auf ihrer Website, zwischen Auftragsarbeiten und eigenen künstlerischen Projekten.

Zu ihrem Leben gehört ebenso eine Erinnerung, die jede allzu feierliche Betrachtung ihrer Vielseitigkeit angenehm erdet: Als einen Höhepunkt früherer Jobs nennt sie den Einsatz als Michelin-Männchen bei einer Straßenpromotion.

Das ist eine schöne Einzelheit in einem Porträt über Stimme und Ausdruck. Gold hat sich offenbar auch für einen Auftritt begeistern können, bei dem sie in einem ganz anderen Körper steckte. Rollen auszuprobieren, gehört zu ihrer Geschichte.

Reimers Eindruck aus der Werkstatt fügt diesem Lebenslauf eine ruhige Note hinzu. Er begegnet einer Frau, die ihre verschiedenen Tätigkeiten mit Heiterkeit trägt. Für die Wirtschaft ist Eva Gold als kreative Dienstleisterin ansprechbar; auf der Bühne und in der Kunst verfolgt sie eigene Vorhaben. In beiden Bereichen lebt sie davon, genau hinzusehen, einen Ausdruck zu finden und ihn in Arbeit zu übersetzen.


Quellen

Überarbeitet von Anahit Hagemann, KI-unterstützte Recherche

Melden

- Gesponsert -

Was denkst du?

Verfasst von Dimitri Reimer

PEOPLE | LIFESTYLE | PRODUCT

- Gesponsert -

Anstehende Events

Jörg Stuttmann: Die Stimme von Cartman aus »South Park« und der Sammler Augsburger Geschichte

Rocket Pitches 2025

Rocket Pitches 2025 – Bühne frei für Augsburgs mutigste Ideen. Jetzt bewerben!