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Jörg Stuttmann: Die Stimme von Cartman aus »South Park« und der Sammler Augsburger Geschichte

Als Synchronsprecher gibt Jörg Stuttmann Eric Cartman aus »South Park« und Doc Croc aus »SimsalaGrimm« ihre deutsche Stimme. In seiner Wohnung auf Schloss Aystetten bewahrt er zugleich ein umfangreiches Archiv zur Augsburger Stadtgeschichte. Darin haben auch die Geschichten regionaler Unternehmen ihren Platz. Ein Porträt zu »MENSCH MONTAG« #100.

In Jörg Stuttmanns Wohnung entstehen große Residenzen aus Lego. Er baut lange an ihnen, betrachtet das fertige Werk und zerlegt es schließlich wieder. Die Steine wandern, sorgfältig sortiert, zurück in ihre Schubladen.

Dimitri Reimer hält diese Beobachtung nach seinem Besuch auf Schloss Aystetten fest. Sie gehört zu einem Zuhause, in dem vieles seinen Platz finden muss: Erinnerungen an Begegnungen, künstlerische Arbeiten und ein Archiv, das über Jahrzehnte gewachsen ist.

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Stuttmann lebt mit Geschichten. Manche spricht er für Film und Fernsehen ein, andere findet er in alten Dokumenten. Wieder andere entstehen für eine Weile aus kleinen Kunststoffsteinen. Wer ihn als deutsche Stimme von Eric Cartman kennt, begegnet hier einem Menschen mit einer ausgeprägten Freude am Bewahren, Ordnen und Gestalten.

Eine Stimme mit sehr verschiedenen Charakteren

Für viele Zuschauer:innen ist Stuttmann zunächst hörbar. Als Eric Cartman spricht er eine der bekanntesten Figuren der satirischen Animationsserie »South Park«. Mit Doc Croc in »SimsalaGrimm« gehört ihm zugleich eine Stimme aus der Welt der Märchen. Die Deutsche Synchronkartei dokumentiert beide Rollen sowie weitere Arbeiten in Film und Fernsehen.

Hinter diesen Figuren liegt eine Laufbahn, die auf der Bühne beginnt. Nach seiner Schauspielausbildung in München arbeitet Stuttmann unter anderem als Stabpuppenspieler und in der Bühnenbildassistenz. Er illustriert Bücher, beschäftigt sich mit Kalligrafie und tritt bei Augsburgs 2000-Jahr-Feier als Stadtschreiber auf.

Beim Augsburger Sender Radio Kö arbeitet er als Kulturredakteur; später entstehen auch Beiträge für Klassik Radio. Seit 1991 ist die Synchronarbeit ein Schwerpunkt seines Berufs.

In einem Podcast der Augsburger Allgemeinen erzählt er davon, welche Schwierigkeiten die Übertragung englischer Wortwitze ins Deutsche mit sich bringt. Die Arbeit verlangt, Sprache und Spiel so zusammenzuführen, dass eine Figur auch in einer anderen Sprache ihren Charakter behält. Dass Stuttmann dabei sehr unterschiedliche Rollen übernehmen kann, lässt sich an Cartman und Doc Croc unmittelbar hören.

Die kleinen Dinge einer großen Stadt

Seine zweite große Arbeitswelt ist das Privatarchiv. Die Stadt Augsburg nennt für den Bestand zur Zeit seiner Ehrung etwa 500 lexikalisch bearbeitete Ordner und rund 2.000 Publikationen. Dazu gehören Presseveröffentlichungen, Briefe, Fotografien und weitere Zeugnisse der Stadtgeschichte.

Ein altes Filmplakat, ein Fahrschein, ein Foto: Solche Dinge sammelt Stuttmann in seiner Wohnung. Ihr Wert ergibt sich oft erst aus dem Zusammenhang. Wer war auf dem Bild zu sehen? Welche Veranstaltung kündigte das Plakat an? Wie sah der Alltag aus, zu dem der Fahrschein gehörte?

Diese Fragen machen aus einem aufbewahrten Gegenstand eine historische Quelle. Stuttmann räumt dem Material Platz ein und gibt ihm eine Ordnung. Sein Interesse gilt dabei auch dem gesellschaftlichen Alltag, den einzelne Dokumente festhalten.

Was eine Firmenchronik erzählen kann

Zu seiner Arbeit gehört ein 2017 entstandenes Porträt der traditionsreichen Augsburger Firma Siller & Laar. Die Stadt führt es ausdrücklich als Beispiel seiner Chroniken an.

Hier berührt seine Sammelleidenschaft die Wirtschaftsgeschichte. Ein Unternehmen ist über die Jahrzehnte auch Teil einer Stadt: Menschen arbeiten dort, Waren wechseln, Gebäude bekommen neue Nutzungen. Eine Chronik kann diese Veränderungen nachvollziehbar machen und Erinnerungen sichern, die im laufenden Betrieb leicht verstreut bleiben.

Stuttmanns Archivarbeit findet zudem Eingang in öffentliche Ausstellungen. Für die Ida-Paulin-Ausstellung im Schaezlerpalais 2024 stellt er Material aus seinem Bestand zur Verfügung. Im Februar 2025 erhält er die Verdienstmedaille »Für Augsburg«.

Damit wird eine Leistung gewürdigt, die viel persönliche Zeit und Aufmerksamkeit verlangt: Dokumente zu erhalten und sie anderen für die Beschäftigung mit der Stadt zugänglich zu machen.

Vom Papier vor die Kamera

Seit März 2022 erzählt Stuttmann in seiner YouTube-Reihe »Augsburg-Geschichten« von der Stadt und ihrer Umgebung. Der Sprecher bringt damit eine Fähigkeit in die Archivarbeit ein, die er beruflich über viele Jahre entwickelt hat: Texte lebendig zu vermitteln.

In einem Interview mit dem Augsburg Journal erläutert er, warum er sich für Videos entschieden hat. Er kann darin die Quellen zeigen, über die er spricht – Briefe, Fotografien und Stadtpläne. Das Publikum hört eine Geschichte und sieht zugleich etwas von dem Material, auf dem sie beruht.

Auch bei seinen Lesungen kommen Stimme und Text zusammen. Kästner, Tucholsky, Schiller und Goethe gehören zu den Autoren, deren Werke er vorträgt. Seine Arbeit führt zwischen eigenem Erzählen, literarischen Texten und den Stimmen erfundener Figuren hin und her.

Ein Zuhause voller Begegnungen

Reimer verlässt Schloss Aystetten mit dem Gefühl, einen alten Freund besucht zu haben. In seinen Notizen bleiben die Herzlichkeit des Gastgebers und die vielen Geschichten aus dessen Leben präsent.

Eine davon handelt von Michail Gorbatschow. Stuttmann erzählt von einer Begegnung in München und einem Geschenk: einem bunt bemalten Stein mit einem Brief, den er überreichen ließ. Es ist eine persönliche Erinnerung, die sich in die Sammlung dieses Lebens einfügt.

Das Archiv wächst, die Geschichten gehen weiter. Die Lego-Residenzen dürfen wieder verschwinden; ihre Bausteine bleiben für das nächste Vorhaben bereit. In beidem zeigt sich eine Freude daran, aus Einzelteilen Zusammenhänge herzustellen. Jörg Stuttmann tut das mit Bildern, Papier, seiner Stimme – und mit großer Ausdauer.


Quellen

Überarbeitet von Anahit Hagemann, KI-unterstützte Recherche

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Verfasst von Dimitri Reimer

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