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Darius Braun: Ein weiter Weg zurück ins eigene Leben

Abenteurer und Buchautor Darius Braun, fotografiert von Dimitri Reimer für sein Langzeit-Portrait Projekt "MENSCH MONTAG".

Nach einer Hirntumoroperation musste Darius Braun Bewegung und Sprache neu erlernen. Jahre später fuhr er mit dem Fahrrad von Kanada bis nach Feuerland. Heute erzählt der Augsburger Autor und Speaker von dieser Reise – und von den Menschen, die ihm unterwegs begegneten. Ein Porträt zu »MENSCH MONTAG« #106.

Am Ende liegt Ushuaia vor ihm, die Stadt auf Feuerland. Darius Braun hat mehr als 21.000 Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt, rund 17 Monate liegen zwischen dem Aufbruch in Kanada und der Ankunft im Süden Argentiniens. Eine gewaltige Strecke. Und doch spricht er später im Gespräch mit der Deutschen Hirntumorhilfe vor allem über das Unterwegssein: über den Austausch mit anderen, über die Reise als Prozess und darüber, wie sich sein Blick auf sich selbst verändert hat.

Die Ankunft ist ein guter Ort, um seine Geschichte zu beginnen. Denn bis Braun überhaupt zu dieser Reise aufbrechen konnte, hatte er bereits einen langen Weg hinter sich.

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Als der Körper fremd wurde

Darius Braun wächst in Salem am Bodensee auf. In seiner Jugend bestimmt der Rudersport sein Leben. Training, körperliche Anstrengung, das Vertrauen in die eigenen Bewegungen: All das gehört zu seinem Alltag.

Dann wird bei ihm als Jugendlichem ein Hirntumor entdeckt. Die Operation rettet sein Leben. Danach ist seine linke Körperhälfte gelähmt; er hat Schwierigkeiten mit der Sprache und der Konzentration. Grundlegende Bewegungen muss er neu erlernen.

Braun beschreibt diese Zeit später als mühsamen Wiederaufbau. Auch seine Schullaufbahn verändert sich. Er wechselt zunächst vom Gymnasium auf die Hauptschule, macht anschließend den Realschulabschluss und schließlich das Abitur.

Mit 17 folgt ein weiterer schwerer Einschnitt. Bei einer Wanderung auf Mallorca stürzt er mehrere Meter tief und zertrümmert sich den linken Ellbogen. Wieder stehen eine Operation und eine lange Genesung an. Nach dem Bericht der Oberschwabenklinik, den das Wochenblatt veröffentlicht, dauert es ein Jahr, bis er seine Hand wieder bewegen kann.

In diesen Jahren muss Braun wiederholt erfahren, wie wenig selbstverständlich der eigene Körper ist. Der spätere Radreisende ist ein junger Mensch, dessen Alltag über lange Zeit von Einschränkungen, Behandlung und Übung bestimmt wird.

Wieder selbst entscheiden

Braun studiert Lehramt an der Pädagogischen Hochschule Weingarten und arbeitet als Lehrer. Später ist er auch als Reiseleiter tätig. Bewegung und Reisen bekommen wieder Platz in seinem Leben.

Der Traum von der Panamericana begleitet ihn schon seit Jahren. 2022 bricht er auf. Sein Ausgangspunkt ist Calgary in Kanada, das Ziel Ushuaia auf Feuerland.

Kurz vor der Abreise beschreibt er einen Beweggrund, der seiner Unternehmung eine besondere Bedeutung gibt: Nach Jahren, in denen ihm andere Grenzen aufgezeigt hatten, möchte er seine Möglichkeiten unter selbst gewählten Bedingungen erkunden.

Das Fahrrad bietet dafür eine unmittelbare Form. Jeder Abschnitt verlangt Entscheidungen über Strecke, Tempo und Kräfte. Die Reise gibt seinem Leben einen Rhythmus, den er selbst mitgestaltet.

17 Monate unterwegs

Die Route führt durch die Rocky Mountains, durch Mittelamerika und weiter nach Südamerika, ins Hochland Perus und zu den Salzwüsten Boliviens. Der Verlag seines späteren Buches beziffert die Strecke auf 21.020 Kilometer und den gesamten Anstieg auf 215.000 Höhenmeter.

Zu den Landschaften kommen Hitze, Kälte, Erschöpfung und Einsamkeit. Braun reist durch 15 Länder. Was auf einer Karte als Linie erscheint, besteht unterwegs aus Tagen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen.

Er verbindet die Fahrt mit einem Anliegen, das aus seiner eigenen Erfahrung erwächst. Er macht auf Hirntumorerkrankungen aufmerksam und sammelt Spenden für die Deutsche Hirntumorhilfe. In Schulen und Krankenhäusern erzählt er seine Geschichte. Seine Reise führt damit immer wieder zu Menschen, für die Krankheit und eine ungewisse Zukunft gerade den Alltag bestimmen.

Wie die Hirntumorhilfe berichtet, verändert dieser Austausch auch ihn selbst. Braun erkennt, wie wichtig es für ihn ist, über seine Erkrankung zu sprechen. Die Geschichte, die er mit auf die Reise genommen hat, wird im Erzählen und Zuhören zu einer Verbindung mit anderen.

Was vom Gegenwind bleibt

2025 erscheint im adeo Verlag sein Buch »Vom Gegenwind getragen«. Es führt die Radreise und die Erfahrungen seines Lebens zusammen: die körperlichen Herausforderungen, die Landschaften, die Begegnungen und die Frage, wie es nach schweren Einschnitten weitergehen kann.

Heute arbeitet Braun als Speaker, Autor und Resilienz-Trainer. Auf Bühnen sowie in Radio- und Fernsehgesprächen teilt er seine Erfahrungen. »Und trotzdem« heißt sein Motto. In seiner Biografie bekommen diese beiden Wörter Gewicht durch die vielen Jahre, die zwischen Operation und Aufbruch liegen.

Sein Weg ist eine persönliche Geschichte mit außergewöhnlichen Etappen. Was sich daraus für das eigene Leben gewinnen lässt, wird für jeden Menschen anders aussehen. Braun bietet dafür seine Erfahrungen an: mit Rückschlägen, mit Unterstützung und mit dem Versuch, wieder eigene Entscheidungen zu treffen.

Eine Begegnung im Stadtwald

Dimitri Reimer trifft Braun für »MENSCH MONTAG« im Augsburger Stadtwald. Er beschreibt ihn als warmherzig und neugierig. In seinen Notizen hält er außerdem den Eindruck fest, dass Braun im Geben einen Gewinn erkennt.

Das passt zu dem Anliegen, mit dem er durch Amerika gefahren ist und heute vor Publikum tritt. Seine Erlebnisse sollen anderen Menschen etwas eröffnen: einen Gedanken, ein Gespräch, vielleicht einen nächsten Schritt.

In Ushuaia endet die Radroute. Die Beschäftigung mit dem, was diese Reise in Bewegung gebracht hat, geht weiter. Darius Braun erzählt davon – mit der Erfahrung eines Menschen, der über viele Jahre darum gerungen hat, seinem Leben wieder eine eigene Richtung zu geben.


Quellen

Überarbeitet von Anahit Hagemann, KI-unterstützte Recherche

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Verfasst von Dimitri Reimer

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