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Lisa Figas: Was Daten über Menschen verraten

Lisa Figas kam über einen Elternblog zum Datenschutz. Heute führt sie mit ihrem Mitgründer ein Augsburger Technologieunternehmen, das Nutzungsanalysen und den Schutz der Privatsphäre zusammenbringen will. Ihr Weg erzählt davon, wie aus einer persönlichen Frage eine unternehmerische Aufgabe wird. Ein Porträt zu »MENSCH MONTAG« #98.

Als Kind wollte Lisa Figas Pyrotechnikerin werden. Beim Feuerwerk der freiwilligen Feuerwehr passten die Explosionen am Himmel und die Musik für ihren Geschmack zu selten zusammen. Sie wollte das besser hinbekommen.

Die kleine Geschichte, die sie für »MENSCH MONTAG« erzählt, ist ein guter Einstieg in ihr Denken. Figas schaut genau hin, entdeckt eine Unstimmigkeit und interessiert sich dafür, wie sie sich beheben ließe. Heute beschäftigt sie eine andere Abstimmung: Unternehmen wollen verstehen, wie Menschen ihre digitalen Angebote nutzen. Diese Menschen haben zugleich ein Recht auf Privatsphäre. Mit TelemetryDeck arbeitet Figas daran, beides in einem Produkt zusammenzuführen.

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Vom Familienalltag zur digitalen Verantwortung

Die gebürtige Dresdnerin studiert an der Universität Augsburg Soziologie, Politikwissenschaft und Humangeografie. Gesellschaft, Macht und die Lebensräume von Menschen gehören damit früh zu den Gegenständen ihrer Beschäftigung. Augsburg wird ihre Heimat.

Zum Datenschutz findet sie über ihren damaligen Elternblog »meetshaus«. Dort veröffentlicht sie Rezensionen von Sachbüchern und schreibt über persönliche Erfahrungen. Das Schreiben über das eigene Leben führt sie zu einem Thema, das später ihren Beruf bestimmen wird: dem sensiblen Umgang mit Informationen.

Ein Elternblog berührt Fragen, die weit über das technische Betreiben einer Website hinausgehen. Welche Erfahrungen teilt man öffentlich? Wie viel vom Familienleben gehört ins Netz? Welche Folgen kann eine Veröffentlichung für andere haben? Dass Figas ihren Zugang zum Datenschutz in diesem Umfeld findet, gibt ihrem späteren Weg eine persönliche Grundlage.

Dimitri Reimer besucht sie für »MENSCH MONTAG« zu Hause. In seinen Notizen hält er die Kinderliebe fest, die er dort wahrnimmt, und beschreibt ihre Neugier und klare Sprache. Es ist der Eindruck einer Begegnung, in der die Unternehmerin auch als Mutter sichtbar wird.

Aus einer Überzeugung wird ein Unternehmen

Vor TelemetryDeck arbeitet Figas mehrere Jahre im Bereich Cybersecurity. 2021 verlagert sie ihren Schwerpunkt von der Verschlüsselung zur Anonymisierung. Im Sommer dieses Jahres stößt sie zu dem Projekt, an dem der App-Entwickler Daniel Jilg seit 2020 arbeitet.

Jilg sucht eine Möglichkeit, die Nutzung von Apps auszuwerten und dabei die Privatsphäre ihrer Nutzer:innen zu achten. Aus dem Entwicklungsprojekt entsteht das gemeinsame Unternehmen. Figas übernimmt Verwaltungsaufgaben und Marketing; Jilg konzentriert sich auf Produktentwicklung und den Austausch mit der Entwickler-Community.

Die Geschäftsidee setzt an einem konkreten Bedarf an. Wer eine App entwickelt, braucht Rückmeldungen: Welche Funktionen werden verwendet? Wo brechen Menschen einen Vorgang ab? Welche technischen Bedingungen spielen dabei eine Rolle? TelemetryDeck bietet solche Nutzungsanalysen an. Nach Darstellung des Unternehmens ist die Software darauf ausgelegt, die Informationen zu anonymisieren und persönliche Daten zu vermeiden.

Figas bringt in dieses Vorhaben eine Perspektive ein, die technische Entscheidungen an ihren Folgen für Menschen misst. »Datenschutz ist Menschenschutz« lautet der Gedanke, den die Notizen zu ihrem Porträt festhalten.

Die politische Seite der Datensammlung

Wie weit diese Überzeugung reicht, zeigt ein Text, den Figas im März 2022 im Unternehmensblog veröffentlicht. Darin beschäftigt sie sich mit der Gefahr personenbezogener Datensammlungen bei Krieg und politischen Umbrüchen.

Informationen über politische Interessen, Aufenthaltsorte oder die Teilnahme an einer Demonstration können unter veränderten Machtverhältnissen eine neue Bedeutung bekommen. Figas beschreibt Datenbanken als etwas, dessen Risiken über den ursprünglichen Zweck der Erhebung hinausreichen. Ihr Blick gilt dabei den Menschen, über die Informationen gespeichert werden, und ihrer möglichen Verletzlichkeit.

In einem weiteren Beitrag aus demselben Monat wendet sie sich der täglichen Praxis digitaler Unternehmen zu. Sie fordert, genauer zu begründen, welche Daten für die Verbesserung eines Angebots tatsächlich gebraucht werden. Datensparsamkeit wird bei ihr zu einer Frage der Produktgestaltung.

Damit verbindet sich auch eine wirtschaftliche Entscheidung. TelemetryDeck verkauft einen Analysedienst. Das Unternehmen erklärt, seine Einnahmen über die Nutzung des Dienstes zu erzielen und die erhobenen Daten keinem Werbenetzwerk zu verkaufen. Der Schutz der Privatsphäre gehört zum Angebot, für das Kund:innen bezahlen.

Was das mit dem Weg zur nächsten Haltestelle zu tun hat

Ein Augsburger Anwendungsfall macht den Ansatz greifbar. Im September 2025 berichtet Figas bei Bayern Innovativ über die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Augsburg. TelemetryDeck liefert Nutzungsanalysen für die App »swa Mobil«, die als Grundlage für Verbesserungen dienen.

Wer unterwegs ein Ticket kaufen oder eine Verbindung finden möchte, braucht eine verständliche Anwendung. Anonymisierte Nutzungsdaten sollen zeigen, wie das Angebot verwendet wird und wo seine Gestaltung verbessert werden kann. Für Figas steht dabei das Vertrauen der Menschen im Mittelpunkt. Sie betont in dem Interview, wie wichtig intuitiv bedienbare digitale Angebote für den Zugang zu unterschiedlichen Mobilitätsformen sind.

Hier bekommt ihr sozialwissenschaftlicher Blick eine praktische Entsprechung: Eine technische Anwendung beeinflusst, wie Menschen sich durch ihre Stadt bewegen und welche Angebote sie im Alltag nutzen können.

Gründen braucht Menschen

Der Aufbau des Unternehmens bringt Aufgaben mit sich, die sich vom ursprünglichen Produkt weit entfernen. In einem Interview mit dem Digitalen Zentrum Schwaben erzählt Figas 2022 von der ersten Finanzierungsrunde, umfangreichen Vertragswerken und dem Lernen während der Gründung.

Sie spricht dort auch über die Unterstützung, auf die Gründer:innen angewiesen sind. Zum beruflichen Netzwerk kommen die Menschen, die im Alltag helfen und Verantwortung mittragen. Gerade mit Kindern braucht eine Gründung Verlässlichkeit im persönlichen Umfeld.

2024 zeichnet die Stadt Augsburg Figas mit dem Augusta-Wirtschaftspreis für Frauen als »Tech-Pionierin des Jahres« aus. Der Preis würdigt einen Weg, der über gesellschaftliche Fragen, persönliche Erfahrungen und IT-Sicherheit in die Unternehmensführung führt.

Die Geschichte vom Feuerwerk bekommt vor diesem Hintergrund ihren eigenen kleinen Nachhall. Schon damals wollte Lisa Figas genauer auf das Zusammenspiel achten. Heute arbeitet sie an einer digitalen Infrastruktur, in der Erkenntnisgewinn und Verantwortung füreinander Platz haben.


Quellen

Überarbeitet von Anahit Hagemann, KI-unterstützte Recherche

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Verfasst von Dimitri Reimer

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