Degree Clothing: Gründer Fabian Frei über ihre Learnings in der nachhaltigen Mode-Branche

Degree Clothing ist ein nachhaltiges Streetwear Label aus Augsburg, das 2014 von Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei gegründet wurde. Was als Studienprojekt begann ist heute eine etablierte, grüne Modemarke. Doch, das war nicht immer so. Welche Hürden Sie als Gründer in einer noch überschaubaren Branche meistern mussten und, was sie daraus gelernt haben, erzählen sie in der Rubrik „Grüne Neune„.

1. Warum habt ihr euch als Startup entschieden noch ein Startup wie das SUSLET zu gründen? 

Aus pragmatischen gründen: Wir hatten Musterteile und ein paar Produkte aus alten Kollektionen im Lager übrig. Da einige befreundete Marken auch Waren übrig hatten, kam uns die Idee vom ersten bio und fair SUSLET Outlet. Um unseren Kunden eine möglichst große Vielfalt anzubieten, liefern die Partnermarken ständig neue nachhaltige Schnäppchen.

2. Was waren die größten Hürden beim Start eures Grünen Startups im Jahr 2014?

Da jede:r Beteiligte, vom Rohstoff bis hin zum Händler, auf Augenhöhe behandelt wird, sind die Margen deutlich geringer als im koventionellen Markt.
Zudem war die Branche zu Beginn noch relativ übersichtlich und unsere Zielgruppen haben sich teilweise erst formieren müssen. 

3. Ist euch Nachhaltigkeit wirklich wichtig oder nutzt ihr es nur als Verkaufsmasche?

Ja, wir sind komplette Nachhaltigkeit-Überzeugungstäter.

Viele Geschäftsmodelle basieren auf der Rücksichtslosigkeit gegenüber der Umwelt und dem Sozialgefüge. Da wir eine möglichst faire und nachhaltige Firmenpolitik verfolgen aber natürlich auch profitabel wirtschaften möchten, darf man oft neue Wege gehen… das kostet viel Energie: Die sogenannten Extrameilen. Aber wir sind mittlerweile fit 😉

4. Degree Clothing: Was sind eure 3 größten Learnings bisher?

1. Team, Team, Team!

Ohne das richtige Team bist du komplett aufgeschmissen. Ein Beispiel: Aktuell haben viele Firmen Schwierigkeiten aufgrund des coronabedingten Remote-Work. Bei uns sind alle so gut miteinander eingegroovt, dass es ohne große Umstellungen direkt so produktiv weiterging.

2. Produkte vor dem Marktstart fertig ausreifen lassen.

Unsere erste Version vom FAIRHAIR Haargummi hatte einen zu geringen Durchmesser. Das Produkt war zwar der Hammer aber eine entscheidende Eigenschaft passte nicht. Wir haben unwissend produziert und ausgeliefert, und durften die ganze Charge dann als Kinder-Haargummis umdeklarieren. Mittlerweile haben wir seit einem Jahr die Version 2. Hier passen die Eigenschaften und die Kund:innen sind glücklich!

3. Strukturen und Abläufe planen und einführen.

Zum Jahresanfang haben wir uns ein neues großes Lager für unsere Marken geholt. Aufgrund der guten Vorplanung konnten wir sogar die automatische Fotostrecke für den SUSLET Outlet nach drei Wochen in Betrieb nehmen. Das hätte vor ein paar Jahren noch Monate gedauert.

5. Startups machen viele Fehler. Wir suchen mit netz & werke immer nach den „Top of the Flops“ der Startupszene.  Habt ihr einen wirklich schlimmen Fehler gemacht, bei dem ihr euch nur an den Kopf fassen wollt? Und was habt ihr daraus gelernt?

Obwohl wir in den letzten Jahren sehr viel ausprobiert haben, sind wir ohne viele Flops durchgekommen. Unser wahrscheinlich größter Flop: Die erste Version des nachhaltigen FAIRHAIR Haargummis „made in Augsburg“. Hier war der Durchmesser zu gering. Deshalb wurden diese zu „Kinder-Haargummis“ umgebaut. Die aktuelle Version des FAIRHAIR Haargummis ist dafür ein echter Traum 😉
Daraus haben wir gelernt, dass man Produkte VOR dem Marktstart immer ausgiebig testen sollte.

6. Wie ist es so mit dem besten Freund ein Unternehmen zu gründen und zu führen?

Es war die wohl beste Entscheidung. Man kann sich zu 100% auf den anderen verlassen und wenn’s mal schwierig werden sollte, (kommt sehr selten vor) gibt´s nach Feierabend ein Versöhnungsbier.

7. Ihr könntet eine Sache in der Welt verändern. Was wäre es und warum genau das?

Die Einführung einer von Sozial- und Nachhaltigkeitskriterien abhängigen Steuer auf sämtliche Produkte. Damit würden sich Umstellungen auf sinnvolle Produktionen verstärkt lohnen.

8. Welche Tipps würdet ihr Gründer:innen an die Hand geben, die sich in einer ähnlichen Branche wie Degree Clothing versuchen wollen? 

Einfach mal mit eurer Idee anfangen und nach 1-2 Jahren alle Erfahrungen und Erlebnisse zusammenfassen. Damit dann Ziele samt Fahrplan erstellen und erfolgreich weiter machen.
Bitte aber nicht nur des „Gründens“ wegen eine Firma aufmachen und unnötige Produkte und Services auf den Markt bringen, weil es gerade Trend ist.

9. Wie sieht die Modebranche in 10 Jahren aus, wenn ihr beide komplett entscheiden könntet?

Die Gründung vieler Independent-Marken wie Degree Clothing, die Produkte auf Basis von Kreativität & Kundennutzen entwickeln.

Die Mode ist im Massenmarkt immer schneller, gleicher und günstiger geworden. Dabei bedeckt man die Hauptfläche seines Körpers mit Bekleidung. Deshalb wäre ich ein Fan von vielen neuen interessanten Marken, welche sich nur durch interessierte Kund:innen entwickeln können. Bei Degree macht diese Kundengruppe einen großen Teil aus, worauf wir sehr stolz sind. Unsere Message deckt jedoch bei weitem nicht alle Bedürfnisse ab. Deshalb fände ich viele Independent-Marken, welche auf ihre Kreativität und Produktion setzen, eine schöne Utopie.

Laura Sattelmair
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